Süße Welpen zu verkaufen
Anzeigen wie diese findet der interessierte Welpenkäufer in der Tageszeitung oder im Internet:

 

Welpen vom Züchter: Gesunde, gut sozialisierte Welpen in geeignete Hände abzugeben.
Die süßen Welpen können ab sofort in eine neue Familie. Sie sind verschmust, anhänglich, treu und der ideale Familienhund, da sie kinderlieb und sehr verträglich sind. Geimpft, gechippt, mit EU-Pass. Tel: …

 

Verführerische Anzeigentexte, die auf die Wünsche der potentiellen Welpenkäufer abzielen: das Wort „Züchter“ suggeriert Seriosität und Rassereinheit, es schenkt Vertrauen und zeugt außerdem von einem gewissen Prestigedenken. Des Weiteren werden besonders Familien angesprochen und nicht zuletzt gerade Frauen, welche sich nur allzu häufig einen verschmusten, treuen Gefährten wünschen.

Seit einiger Zeit beobachte ich schon, dass sich unter den Welpenkäufern, welche ihr Tier bei einem Hundehändler gekauft haben, besonders viele junge Menschen, oftmals weiblich, bzw. junge Familien befinden. Ein Klientel, welches meist nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich einen Hund bei einem seriösen Züchter zu kaufen oder sich möglichst schnell und ohne Wartezeit ihrem spontanen Wunsch nach einem Vierbeiner nachgeben.

Und genau mit diesem Wissen formulieren die Hundehändler ihre professionellen Verkaufsanzeigen, zusätzlich geschmückt mit süßen Welpenbildern. Nicht selten werden diese Bilder im übrigen immer wieder verwendet; eine Garantie, dass man genau den Welpen auf dem Bild bekommt, hat man bei einem Hundehändler leider nicht.
 

Was erwartet nun den Welpeninteressenten, wenn er einen Besuchstermin vereinbart?

 

bis zum Verkauf zusammengepfercht

Immer häufiger betreiben Hundehändler moderne und weitläufige Anlagen, welche auf den ersten Blick sauber und geräumig aussehen, mich persönlich aber eher an Bunkeranlagen erinnern, da sie oftmals gegen neugierige Blicke von außen abgeriegelt sind.

Showroom

 

Die Welpen werden in sogenannten „Showrooms“ zur Schau gestellt, nicht selten nach Rassen getrennt und isoliert von den Elterntieren (falls vorhanden) gehalten. Die einzelnen Welpenzwinger sind aus hygienischen Gründen zumeist gefliest oder bestehen aus aneinander gereihten Plastikboxen und sind eingestreut mit Stroh oder Sägespan.

Oft sind sie nach vorne offen mit einer Glastür, welche mich immer wieder an ein Schaufenster im Kaufhaus erinnert. In diesen kargen Boxen gibt es nur vereinzelt Spielzeug und kaum ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten, was gerade für Welpen, welche in diesem Alter besonders lernbegierig sind und gefördert werden sollten, nicht entwicklungsfördernd ist.

 

Eine gute Sozialisierung zeichnet sich durch das Anbieten vielfältiger Alltagsreize und ausreichend Bewegungsfreiheit aus: ein gut geförderter Welpe lernt neugierig verschiedene Bodenbeläge (Fliesen, Teppich, Steinboden, Gras uvm.) und vielfältige Materialien im Haushalt wie Stoff, Papier, Pappe oder Plastik (z.B. Spielzeug, Kruschtelkisten) etc. kennen; der kleine Welpe wird bewußt mit neuen Herausforderungen wie Tunnel, Wippen, Wasserbecken konfrontiert und lernt durch Erfolge und gewinnt auf diesem „Abenteuerspielplatz“ sichtlich an Selbstsicherheit und Souveränität.

     

vorbildliche Sozialisierung

Er wird mit alltagsüblichen Geräuschen wie verschiedene Menschenstimmen (Kinderstimmen, tiefe oder hohe Stimmen, verschiedene Lautstärken), Küchen- oder Gartengeräten, Radio/TV/Haushaltsmaschinen, Türklingel uvm. konfrontiert und lernt – zumeist durch ältere Tiere – diese Dinge verstehen. Gut sozialisierte Welpen dürfen am Alltag ihres Züchters teilhaben, lernen die ersten Schritte an der Leine und beim Spaziergang, schauen sich an älteren Tieren das richtige Verhalten ab und lernen im übrigen hierdurch auch eine sicherere Kommunikation mit Artgenossen und Menschen. Welpen mit diesem vorbildlichen Hintergrund haben das Potential, sich zu einem zuverlässigen, freundlichen, verschmusten und anhänglichen vierbeinigen Partner zu entwickeln.

  Nein! zur Massenware "Hund"

So müssen Welpen aufwachsen!

Diese notwendige erste Sozialisierung können weder der Händler, noch der Vermehrer (welcher den Welpen für den Händler produziert hat) leisten. Alleine aufgrund des zumeist umfangreichen Angebots verschiedener, gefragter Rassen und oftmals zu wenigen Mitarbeiter, welche sich um die große Zahl der Tiere kümmern müssen (nicht selten werden 25 oder mehr Rassen angeboten), bleiben die meisten Welpen von der Anlieferung bis zum Verkauf in ihren kargen Verkaufsboxen. Die in der Anzeige versprochene Sozialisierung ist nicht gegeben und häufig zeigen sich aufgrund der fehlenden Welpenprägung später mehr oder wenig schwere Verhaltensauffälligkeiten, mit welchen Hund und Besitzer manchmal ein Leben lang zu kämpfen haben.

Im übrigen haben viele Welpen bereits vor ihrer Ankunft beim Händler Erfahrungen gemacht, welche ihrer Entwicklung nicht förderlich sind: viele Händlerwelpen werden in der wichtigsten Entwicklungs- und Lernphase zwischen der 4. und 16. Woche – manchmal sogar mehrmals – aus ihrer gewohnten Umgebung, weg von Mutter und Geschwistern gerissen; während des - oftmals nicht tiergerechten - Transports werden sie in dunklen Kofferräumen, schaukelnden Transportern und in engen Transportkisten mit ihrer Angst alleine gelassen (kein Welpe versteht, was mit ihm geschieht - es fehlt die vertraute Mutter, welche dem kleinen Tier Sicherheit geben könnte oder ein Mensch, welcher ihn auf dieser unbekannten Fahrt fürsorgliche Nähe schenkt) und diese Erfahrungen prägen das Tier bzw. beinflussen das Grundvertrauen in seinen neuen Menschen.

Welpentransporte - stundenlang quer durch Europa

 

Thema Gesundheit: ich möchte nicht abstreiten, dass der ein oder andere Welpenkäufer von einem Hundehändler einen gesunden Welpen gekauft hat. Allerdings bekomme ich seit Beginn meines Ausklärungsprojektes viele Emails und Bilder von kranken Hunden, welche von Vermehrern und Hundehändlern gekauft wurden. Die meisten berichten über Durchfall, Husten oder zu magere, verwurmte Welpen. Krankheiten wie Parvovirose (eine hoch ansteckende Infektionskrankheit) oder Staupe (ebenfalls eine hoch ansteckende Viruskrankheit) sind keine Seltenheit.

totkranker Welpe

Im August 2009 hat man mir von einem Welpen berichtet, welcher trotz intensiver tierärztlicher Behandlung aufgrund katastrophaler Blutwerte eingeschläfert werden musste. Ein anderer Welpe hatte eine ungewöhnlich hohe Zahl Herpesviren im Blut. Herpesvirus-Infektionen sind hochansteckend und können beim Welpen zum Tod führen. Außerdem litt der Hund unter massiven Hautproblemen, u.a. wurde bei der Laboruntersuchung eine hohe Zahl an Staphylokokken nachgewiesen, welche sich insbesondere durch mangelnde Hygiene vermehren. Eine Übertragung auf den Menschen wird von Wissenschaftlern im übrigen nicht ausgeschlossen, so dass es gerade für junge Familien mit Kleinkindern/Babies gefährlich werden kann, einen solchen Welpen zu kaufen.

Diese Welpen sind nur einige Beispiele, welche mir berichtet wurden. In allen Fällen sagen die Besitzer einstimmig, dass sie zwar einen verhältnismässig günstigen Welpen in der Anschaffung bekommen haben, allerdings große Summen (teils mehrere tausend Euro) in die danach notwendige tierärztliche Behandlung stecken mussten. Diese Menschen lieben ihren Hund, aber sie würden nie wieder den gleichen Fehler begehen und erneut bei einem Hundehändler ein Tier kaufen.

Leider hat sich die Zahl der kranken Welpen – auch durch Importe aus Ländern wie Polen, Ungarn oder Belgien – in den letzten Jahren stark erhöht, wie mir von Tierärzten immer wieder bestätigt wird. Auch der sogenannte EU-Ausweis (der blaue Heimtierausweis, in welchen neben einem Bild des Tieres, alle hundebezogenen Daten wie Geburtsdatum, Chipnummer, Impfungen uvm. eingetragen sein müssen) schützt den Käufer nicht vor einem kranken oder importierten Tier. Mir selbst sind bei früheren Recherchen schon gefälschte EU-Ausweise in die Hände gefallen; fragen Sie daher genau nach, woher der Welpe kommt und lassen Sie sich alle Angaben in einem Kaufvertrag schriftlich bestätigen. Im Übrigen finden Sie weitere Tipps, wie man einen seriösen Züchter oder einen seriösen Tierschutzverein findet, auf *dieser Seite*.
 

Sollten Sie bereits negative Erfahrungen mit einem Hundehändler und/oder Vermehrer gemacht haben, so bitte ich Sie: wenden Sie sich an das zuständige Veterinäramt und verfassen Sie eine Tierschutzmeldung. Oftmals sind den Behörden etwaige Missstände grundsätzlich bekannt. Je mehr „Geschädigte“ sich jedoch melden bzw. je mehr Verstöße gegen das Tierschutzgesetz oder die Hundeverordnung gemeldet werden, desto größer ist die Handhabe der Behörden. Lassen Sie sich auch nicht entmutigen, wenn der beim Verkaufsgespräch noch freundliche Hundehändler bei einer Reklamation bzw. Konfrontation ausfallend wird. Bleiben Sie ruhig und nehmen Sie rechtliche Hilfe in Anspruch. Trauen Sie sich etwas zu tun, denn Einschüchterung ist eine gern genutzte Masche, um enttäuschte Welpenkäufer oder Gegner des Hundehandels "mundtot" zu machen. *Hier* finden Sie mehr Tipps zu diesem Thema.

Lassen Sie sich nicht von Händlerangaben wie „gewerblicher Betrieb“, „Erlaubnis nach § 11“ oder „vom Veterinäramt kontrollierter Betrieb“ blenden. Selbst ein augenscheinlich sauberer Betrieb kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass die Welpen dort nicht artgerecht aufgezogen bzw. gehalten werden.

Ein Hundehändler kann beim besten Willen nicht jedem einzelnen Welpen gerecht werden! Wir sprechen nicht von Autos, welche nach der Produktion das Band verlassen und dann monatelang, ohne Schaden zu nehmen, auf einem Automarkt stehen können... wir sprechen von kleinen Lebewesen, welche ab dem Tag ihrer Geburt lernen und sich entwickeln möchte.

 

Es ist unser aller Pflicht, sie hierbei nach besten Wissen und Gewissen zu unterstützen. Und das bedeutet mehr als leere Versprechungen wie bunte Anzeigenbilder mit den Attributen „süß, anhänglich, verschmust und treu“!

 

                                                      

Copyright by Kathrin Hansen, September 2009     www.hinsehen-statt-wegschauen.de